Ein Gedicht von Susanne Lohrey, die als Ratgeberin im Umgang mit toxischen Persönlichkeiten hoch anerkannt ist.
Schlagworte: Selbststärkung, seelischer Missbrauch, psychischer Missbrauch, emotionaler Missbrauch, Lyrik, Gedichte, Susanne Lohrey, Lohrey Training, Selbstliebe, Zuversicht, Neubeginn, passiv aggressiv, Selbsthilfe, Meditation, Musik, Maria Linnemann

Unschuldig

Schuld und Scham sind jene Steine
die Rücken brechen oder beine
Aufrecht geht zunächst das Kind
dem Würde, Stolz gegeben sind

doch Aufrecht gang und aufwärts blick
fällt schon wie brocken ins genick
von denen die mit tiefem grollen
das große klein sich drücken wollen

doch sag ich euch

nach tausend tagen erhebt sichs
opfer aus den plagen
das unrecht und die falsche scham
wirft von sich dieses endlich dann

die kindlich seele trug den stein
um durch das schleppen stark zu sein
muskeln trägt nun herz und seele
damit die schwere last nicht quäle

das kind von einst trägt ganze berge
unschlagbar ists jetzt in der stärke
mit starken armen bauts die stadt
die sodom einst vernichtet hat

nun sehe, wie die täter ziehen
wie steinewerfer feige fliehen
die schuld und scham ist ihrer jetzt
das schicksal sie von dannen hetzt

das kind, das kam im morgenlicht
als mann, als frau den tag anbricht
der rücken aufrecht, stolz der gang
wie einstens mal von anfang an

Susanne Lohrey

Gedicht:
„Unschuldig“, Susanne Lohrey
Video, Schnitt, Ton und Sprache: FatZebra.org

Das Musikstück, das ich am Anfang spiele, heißt „In der Telemark“ von Maria Linnemann ( https://de.wikipedia.org/wiki/Maria_L… )

Die Nebelkrähe in dem Video heißt Hitchcock und war aus dem Nest gefallen, hatte eine verletzte Kralle und wurde von mir ein paar Wochen lang mit Eierspeise und Kalzium verwöhnt und ich hab viel von ihr gelernt, bis ich ihr dann dabei zusehen durfte, wie sie in ihre Zukunft davon flog, nachdem sie in meinem Schlafzimmer fliegen geübt hatte. Ich hab sie immer wieder auf das Regal gesetzt und sie flog dann von dort oben hinunter aufs Bett, immer wieder wollte sie üben. Ich werd nie vergessen, wie sie eines Tages vor dem Spiegel saß und ihr Spiegelbild ankrächzte. Da wußte ich, dass sie ihren Schwarm braucht und bald darauf war sie bereit. Sie saß auf meiner Hand, ich streckt die Hand aus dem Fenster im 6. Stock und sie breitete ihre Flügel erst zögernd, dann immer sicherer aus, hielt sich an mir fest, aber ließ den Wind durch ihre Gefieder fahren um zu spüren, ob er sie tragen würde. Und dann nahm sie Abschied von mir und ich sah ihr zu, wie sie flog, dann erst auf dem nächsten, dann dem übernächsten Baum landete und dort sofort Kontakt mit einem Artgenossen aufnahm. Ich denke noch immer mit Sehnsucht und Liebe an diesen Vogel zurück und ich glaube, sie hat mich auch nicht vergessen.

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